Journal

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8. Juli 2018

Nachgedacht in der Pause. Teil 3: „Ich muss gehn, ich muss gehn.“

Wenn man Pause macht und mal so richtig zu sich kommt, dann erfährt man die erstaunlichsten Dinge über sich selbst. Innehalten. In sich gehen. Weiterkommen.

Als ich vor über 20 Jahren als Jungspund mein beengendes, erdrückendes (zumindest empfand ich es damals so) Kleinstädtchen in Richtung „große Stadt“ (zumindest empfand ich es damals so) verließ, hatte ich einen absolut guten Grund:
Ich folgte meiner großen Liebe!


Natürlich spreche ich von ihr, der einen, der Femme fatale, der ewig reinen, junfräulich Unschuldigen, der geheimnisvoll-betörenden und oft unnahbaren Frau Musica!
Ich zog wegen meiner damaligen Band nach Frankfurt am Main. Kaum war ich da, löste sie sich auf, die Band. Ich blieb, vertrank meiner Großmutter klein Häuschen (rein metaphorisch gesprochen – meine Großmutter besitzt kein „klein Häuschen“. Gut für sie, sonst säße sie nun auf der Straße, meine wundervolle Oma) und lernte bald neue Mitstreiter kennen, und in einer Trinkpause beschloss man so manche Großtat. Der Rest ist Geschichte, und genau wie bei der Band entwickelte sich manches über die Jahre einfach so dahin, wurde irgendwie, und dann wurden manche Sachen einfach als gegeben angesehen. Genauso das  mit dem Bleiben in einer nicht wirklich vorhandenen Heimat.
Liebe Frankfurter, ihr seid ein bezauberndes Völkchen, mit eurer ruppigen Herzlichkeit. An euch lag es bestimmt nicht, dass ich im Rhein-Main-Gebiet immer ein bisschen fremd geblieben bin.
Außerdem wird man auch älter (trotz Photoshop und trotz aller Proteste der Fans) und entwickelt andere Bedürfnisse, verlagert Interessen. Ich merkte, dass ich mich nach einer anderen Landschaft sehnte. Nach Wäldern, Auen, Hecken und Wiesen. Nach Natur, die mein oft überlastetes Hirn nach einem anstrengenden Tag beruhigen mochte. Ich bekam eine seltsame Mischung aus Heim- und Fernweh. Eine Rastlosigkeit befiel mich und gleichzeitig der Wunsch nach etwas mehr Stille.

"Mich packt Sehnsucht nach der Ferne.
Fühlt sich so nicht Heimweh an?
Furchtlos würde ich so gerne
zu mir kommen irgendwann."


Zudem merkte ich, dass ich eigentlich ausschließlich nur noch für die Miete im immer teurer werdenden Rhein-Main-Gebiet arbeitete. Wer da kein Bänker ist oder das klein Häuschen seiner Großmutter geerbt und nicht versoffen hat … dem Gnade Gott Mammon.

Also habe ich meine Noch-Zu-Lesen-Stapel – ja, es sind mehrere – und meine Tonträgersammlung, meinen Büro- und meinen Kompositionsrechner eingepackt und bin still und heimlich weggezogen. 

"Viel zu scheu, doch brech ich auf.
Ich breche auf und suche irgendeinen Sinn.
Alles neu: Ich breche auf.
Ich mach mich auf: Was kommt heraus? Wo führt es hin?"

Nebenbei: Allerspätestens jetzt sind wir leider keine richtige "Frankfurter Band" mehr, wie ein gewisser Wikipedia-Artikel schon so lange fälschlicherweise behauptet (das ist beileibe nicht der einzige Fehler dort). Ich werde meine Zeit in Hessen allerdings immer als sehr wertvoll ansehen, schließlich habe ich dort sehr viel Schönes und Unvergessliches erlebt. Deswegen komme ich auch gerne immer wieder. Allerdings ab jetzt zu Besuch.
Ein herzlicher Dank geht an alle netten Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

Nun darf es gerne Hey-hey-Wiki-technisch gerne einfach heißen „ASP sind eine Band aus Deutschland“, wenn es denn überhaupt so eine Herkunftsangabe braucht, schließlich sagt das über die Schönheit der Lieder so rein gar nichts aus. Aber derlei Infos scheinen ja wichtig zu sein. Musikalisch gesehen sind wir m.E. ziemlich europäisch, das hört man deutlich.

Auch der ASP-Onlineshop wird demnächst (Eile mit Weile) eine neue Adresse haben. Aus ähnlichen Gründen. Wenn ihr uns bei seinem Umzug unterstützen wollt, dann könnt ihr ihn uns gerne in den Sonderangebots-Wochen leerkaufen. Alles, was nicht umziehen muss, ist ökonomisch und ökologisch eine feine Sache, *zwinker*.

Ich schreibe diesen Journaleintrag in meinem neuen Arbeitszimmer, schaue (und ja, gehe auch) ab und zu ins Grüne und lasse mir von ihm Kraft und Ruhe schenken, für die zahlreichen Projekte und bevor es bald, bald, bald wieder auf Konzertreise geht.

Fortsetzung folgt …

Illu: Holger Much (Der alte Weidenmann)